Die Hexenbulle König Ludwigs des Frommen


Autor: Hans Andres Jörg Schön


Eine „Bulle“, das mit Blei gesiegelte Sendschreiben eines Papstes, gab es erstmalig unter Papst Nikolaus II. im Jahr 1059; der Begriff „Bulle“ wird heute ausnahmslos mit „Papst“ und „Rom“ assoziiert.

Die große Hexenbulle „Summis desiderantes affectibus ...“, die Hexenbulle schlechthin, erlassen unter Papst Innozenz VIII. im Jahr 1484, ist weithin bekannt.

Wenn die Bezeichnung „Hexenbulle“ auch für den frühen, von König Ludwig dem Frommen, gesetzten Rahmen zur Verfolgung, Belehrung aber auch Tötung von Hexern und Hexen – immerhin aus dem Jahr 829, hier erlaubt sein soll, dann zum einen, damit der Inhalt des Beschlußes unmittelbar deutlich wird, zum andern, weil die römische Kirche jener Epoche unter dem Kuratell der Dynastie der Karolinger stand.

Dass ein karolingischer Herrscher wie ein Papst handelte, wird insbesondere an Karl dem Grossen, Vater jenes Ludwigs des Frommen, deutlich; er fasste Glaubensinhalte, wie z. B. das „filioque“, er ließ Zurückweisungen von Glaubensirrtümern und Irrlehren formulieren, er berief deswegen Kirchenversammlungen ein; zwei Stichworte hierzu sollen genügen: „Adoptianismus“ und „Bilderstreit“.

Was nun Synoden, Konzilien und die dabei gefassten Beschlüsse angeht, so wurden die zu behandelnden Fragen durch den jeweiligen Herrscher und seine Berater festgelegt, sodann wurde der Vorsitzende der Versammlung bestimmt – wenn nicht gar der Herrscher die Versammlung selbst leitete. Mit Beendigung der Versammlung wurden die ausformulierten Beschlüsse dem Herrscher vorgelegt, um anschließend in seinem Beisein in einem großen Kreis von Grafen und Bischöfen erörtert zu werden; gelegentlich wurden die einzelnen Artikel auch ohne die Bischöfe, nur durch den Herrscher und die Grafen besprochen, um gebilligt oder eben auch um verworfen zu werden.

Soweit in dürren Worten die seinerzeitige Machtverteilung und damit auch Antwort auf die Frage nach der Verantwortlichkeit für den Inhalt dieser Hexenbulle.


Der nachfolgende Text kommt in Teilen als Übersetzung jener Bulle daher, er will jedoch einzig eine erste inhaltliche Erkundung derselben sein. Eine Übersetzung muss jenen wenigen vorbehalten bleiben, die mit dem Latein, wie es in der Zeit um 800 in Übereinkünften, Verträgen und Anweisungen gebraucht wurde, unmittelbar vertraut sind; nicht allein, weil der Gebrauch des Lateins in jener Zeit seine Sonderheiten hat, sondern auch, weil die Wissenschaft im gerademal zwei Seiten umfassenden Original zwei Dutzend Schreibfehler feststellte.


ÜBER DIE VERURSACHER VERSCHIEDENER ÜBEL

Es gibt freilich Verursacher verschiedener Übel, die das göttliche Gesetz missbilligt und verurteilt, für deren verschiedene Verbrechen und Schandtaten das Volk auch mit Hunger und Seuchen geschlagen wird, der Zustand der Kirche geschwächt wird und das Königreich sich in Gefahr befindet.

Bei diesen, die sich ganz der Schlechtigkeit ergeben, obgleich sie in heiligen Aussprüchen genug an Verfluchungen erfahren haben mögen, sehen wir die Dringlichkeit erneut durch unser Mahnen und Zureden sie ganz zur Vorsicht anzuhalten, zum Beispiel die Verursacher der unterschiedlichen Besudelungen, die einige durch Befleckungen und durch Vieh auf höchst verschiedene Weise begehen, welche die unvergleichliche Süße des allerfrömmsten Schöpfers bis zur Bitterkeit reizen, da sie sich um so mehr vergehen, weil sie gegen die Natur sündigen.

Für diese Verbrechen sind auch fünf Städte vom himmlichen Feuer verbrannt und vom Höllenschlund verschlungen und über 40.000 Männer aus dem Stamme Benjamin von ihren Brüdern mit dem Schwert durchbohrt worden.

Diese Urteile und sichtbaren Strafen machen deutlich, wie verhasst und abscheulich dieses Laster der göttlichen Majestät ist.

Dazu gibt es andere allerverderblichste Übel, die zweifelsfrei vom heidnischem Brauchtum übrig geblieben sind, wie beispielsweise Zauberer, Wahrsager, Losdeuter, Giftmischer, Seher, Beschwörer, Traumdeuter, die das göttliche Gesetz unwiderruflich zu bestrafen befiehlt, von denen im Gesetz gesagt wird: Die Seele, die sich zu den Zauberern und Wahrsagern wenden und sich mit ihnen einlassen wird, gegen die will ich mein Antlitz wenden und sie aus ihrem Volk ausrotten. Heiligt euch und seid heilig, weil ich euer Herr und Gott heilig bin. Achtet meine Gesetze und befolgt sie, denn ich bin der Gott, der euch heiligt. (Lev.20,6-8.)

Und an anderer Stelle: Du sollst nicht dulden, dass Zauberer, Wahrsager und Hexer auf Erden leben. (Exod.22,18.)

Es besteht weiterhin kein Zweifel, wie vielen bekannt ist, dass durch gewisse Blendwerke und teuflische Vorspiegelungen, die Sinne einiger Menschen derart von lieblichen Bechern, Speisen oder Amuletten eingenommen sind, dass sie von den meisten für wahnsinnig gehalten werden, während sie selbst ihre Schmach gar nicht bemerken. Sie behaupten nämlich, durch ihre Hexerei könnten sie Sturm und Hagel hervorrufen, die Zukunft vorhersagen, Ernte und Milch wegtragen und anderen geben; man sagt, dass unzählige Sachen von ihnen vollbracht werden. Sobald Männer oder Frauen einer solchen Sache überführt werden, müssen sie um so schärfer durch des Fürsten Zucht und Entschlossenheit gebessert werden, desto offensichtlicher sie sich nicht fürchten in ruchloser wie unbesonnener Verwegenheit dem Teufel zu dienen.

Über diese Dinge steht im 13. Kapitel des Konzils von Ancyra folgendes geschrieben:

Wer Weissagungen verlangt und diese nach heidnischer Sitte befolgt oder Wahrsager in sein Haus bittet, um durch deren unheilvolle Kunst etwas zu erfahren oder zu sühnen, der soll gemäß den festgesetzten Stufen der Buße unter die Fünf-Jahres-Regel fallen.

Es ist Aufgabe, überall und insbesondere an diesen Orten, an denen viele glauben, sie könnten dies zu Recht und ungestraft treiben, sie umso eifriger und sorgfältiger zu ermahnen und sie umso strenger zur Ordnung zu rufen. Es gibt noch mehr verabscheuenswürdige Laster, die in der Ausübung für so natürlich gehalten werden, dass die, die sich ihnen hingeben, garnicht merken wie verbrecherisch sie sind, die der Apostel offen aufzählt: Trunkenheit, Gelage, Wetten, Jähzorn, Streit, Zwietracht, Diebstahl, Neid, Feindschaften, welche die Menschen gemäß eben diesem Apostel vom Reich Gottes ausschließen, wenn er sagt: Die nämlich solches tun erreichen nicht das Reich Gottes.(Galat.5,21.)

Im ganzen treiben sie es derart schamlos und unbeschwert, dass man zu Recht von ihnen sagen kann: Sie freuen sich, weil sie Böses getan haben, sie bejubeln die allerschlimmsten Sachen.(Prov.2,14.)

Daher ist allen Christen aufgetragen, diese Sachen sowohl genau zu kennen als sich auch auf das eifrigste vor ihnen zu hüten, …

Gleiches gilt für müßiges Geschwätz, für das wir alle gemäß Gottes Wort am Jüngsten Tag Rechenschaft ablegen müssen … , für Possenreißerei, dummes Gerede, Flüche, weil gemäß dem Apostel die Fluchenden nicht das Reich Gottes besitzen werden,(1.Cor.6,10) für Lügen, schädliche Verleumdung, unablässiges Schwören, für obszöne und schändliche Gesänge ...

All diesem also, was kurz vorangestellt wurde, wollen wir zuallererst mit Hilfe der Gnade Gottes Gnade entsagen, um anderen Vorbild und Beispiel zu geben ...

Aber wir wollen auch alle unsere Gemeinden unterrichten, damit sie nicht, was nicht geschehen möge, durch ihre Unwissenheit und unsere Nächlässigkeit in derart tödliche Gefahren geraten.

Wir haben auch in der Niederschrift unseres Konvents einige weitere Kapitel … zusammengetragen … wir müssen wissen, die Ehe ist von Gott gestiftet … nicht der Wollust sich hinzugeben, sondern um Nachkommen zu zeugen … Männer, die Ehefrauen haben, dürfen weder Geliebte noch Konkubinen haben ... des Beischlafs mit schwangeren Frauen sich zu enthalten … genauso wie sich Christen auch vor Inzest hüten mögen … welche gottgeweihten Orte regelmäßig und gottergeben von den Gläubigen aufgesucht werden sollen, um Gott anzubeten und ihn gütig zu stimmen und, dass gottgeweihte Basiliken kein Platz sind für dumpfe, schändliche Plaudereien, kotige Redenschwingereien, weltliche Geschäfte, öffentliche Versammlungen … . … sich zu hüten vor dauerndem Schwören, vor Bestechungen, kein falsches Zeugnis geben, nicht stehlen, genauso wie vor den übrigen (Sünden), die aufzuzählen langwierig ist. …

Wenn wir sie nicht des Aufzählens für notwendig halten, dann weil wir wissen, dass sie in euren Anweisungen klar zusammengestellt sind, und dass ihr sie in eurer Autorität und treuem Ratschluss per strenuos missos vestros corrigenda esse censuistis.

Eine tiefergehende Betrachtung der vorangegangenen Übersicht verbietet sich, einige Anmerkungen zum Text sind jedoch unumgänglich.

Die Bulle eröffnet mit der Erklärung über ihre Notwendigkeit: der Zustand der Kirche ist geschwächt und das Königreich befindet sich in Gefahr.

Neben den erwähnten Missernten und Seuchen wird jedoch nicht darüber berichtet, dass die Bevölkerung durch den fortgeschrittenen und fortschreitenden Prozess der Feudalisierung zunehmend entrechtet und entwurzelt, freilich auch haltlos und entsittlicht ist; Halt suchten die Menschen bei Hexen und Zauberern.

Im Text ist von „Befleckungen“ die Rede; die damals übliche Umschreibung für Homosexualität. „... masculis“ heißt es übrigens im Original, ein Wort, das ins Nichts führt; es handelt sich um einen Schreibfehler, „... maculis“ muss es heißen.

Nachfolgend wird auf Textstellen im Alten Testament verwiesen. Das Zitat „Du sollst nicht dulden, dass Zauberer, Wahrsager und Hexer auf Erden leben.“, ist ein klarer Mordbefehl.

In der überarbeiteten Bibelfassung von 1912 findet sich die Textstelle verändert: Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen.

Klärungsbedürftig sind auch die „lieblichen Becher, Speisen oder Amulette“; wichtig dabei, nachfolgend ist vom Wettermachen die Rede.

Bischof Agobart von Lyon berichtet um 820, dass viele, manchmal sogar ganze Dörfer, zur eigenen Sicherheit ein Bündnis mit dem Teufel eingehen, und freiwillig würden sie den Wettermachern und Zauberern einen jährlichen Tribut entrichten, damit diese den Feldern keinen Schaden durch Hagel, schwere Regen oder Misswuchs zauberten.

Es sind also Betrüger zu Gange, die sich durch den Aberglauben der Menschen, freilich auch durch deren Furcht vor Missenten und Seuchen ein feines Leben mit „lieblichen Becher und Speisen“ machen.

... oder Amuletten“ heißt es weiter; übrigens ein gutes Beispiel für unpassende Übersetzung. „… vel filacteriis“ lautet es im Original; das Phylakterium, bereits bei den Römern hoch geschätzt, ist eine Kapsel oder Beutel, jedenfalls ein kleines Behältnis, es wird um den Hals oder direkt am Leib getragen, der Inhalt ist ein magisches Allerlei: Wolfszähne, Kräuter, gedörrte Augen, Zauberzettel, Steine von auffälligen Aussehen.

„… vel filacteriis“ steht für jene unter den Zauberern und Hexen, die tatsächlich an ihre magischen Kräfte glaubten.

Es folgt ein farbenfrohes Sittengemälde von Sünden und überaus freiem Benehmen, in welches eine Passage montiert ist:

All diesem also, was kurz vorangestellt wurde, wollen wir zuallererst mit Hilfe der Gnade Gottes Gnade entsagen, um anderen Vorbild und Beispiel zu geben …“

Die Kirche ist sich also ihrer eigenen Sündhaftigkeit bewusst, sie will sich mit Gottes Gnade davon losmachen.

Weiter heißt es:

Aber wir wollen auch alle unsere Gemeinden unterrichten, damit sie nicht, was nicht geschehen möge, durch ihre Unwissenheit und unsere Nächlässigkeit in derart tödliche Gefahren geraten.“

Nicht vom Verlust des Seelenheils oder dem Fegefeuer ist hier die Rede, sondern von Lebensgefahr.

Ein in diesem Zusammenhang höchst unpassender Ausdruck, denn Possenreißerei, dummes Gerede, Flüche, Lügen, schädliche Verleumdung, unablässiges Schwören, obszöne und schändliche Gesänge, Geliebte oder Konkubinen, Inzest, entweihte Basiliken, dumpfe, schändliche Plaudereien, kotige Redenschwingereien, nahezu alles davon ist bestenfalls einige scharfe Worte und Bußübungen wert. Die drohenden tödlichen Lebensgefahren beziehen sich also auf Exod.22,18.

Wohl so zu verstehen, dass es die Aufgabe der Kirche ist, zu prüfen, ob Zauberer, Wahrsager und Hexer ausreichend christlich belehrt wurden, um gegebenfalls die fehlenden Unterweisungen vorzunehmen und erst im Falle erwiesener Unbelehrbarkeit Zauberer, Wahrsager und Hexer zum Vollzug der Todesstrafe an den weltlichen Arm, also an den Grafen weiter zu reichen.


Die Hexenbulle König Ludwigs des Frommen wurde nicht durch Zufall entdeckt, sondern gesucht und im Januar 2016 auch gefunden; glücklicherweise, darf man sagen, denn von einigen Konzilien und Synoden erschließt sich allein aus Briefen, dass sie stattfanden, doch vom Gegenstand der Verhandlungen ist nichts überkommen.

Dass es eine derartige Verfügung gegeben haben sollte, ließ sich zum einen aus der stetig schärferen Gangart gegenüber Hexen bereits in den Jahrzehnten unter Karl dem Grossen folgern; seine letzte diesbezügliche Verfügung, gefasst durch die Konzilien von Riesbach, Freising und Salzburg im Jahr 800, sieht die Kerkerhaft vor.

Im Jahr 825 lässt Ludwig der Fromme durch das Konzil von Paris unter Verweis auf Exod.22,20. die Verbannung beschließen. Wer den Göttern opfert und nicht dem Herrn allein, der sei verbannt. Wie überhaupt auf diesem Konzil das Doppelleben der christlichen Heiden einem gründlichem Abgleich mit den entsprechenden Forderungen des Alten Testaments unterworfen wurde.

Die Bestrafung mit Verbannung wurde dabei mit Verweis auf Ierem.9,12.-14. untermauert: Und der Herr sprach: Darum daß sie mein Gesetz verlassen, das ich ihnen vorgelegt habe, und gehorchen meiner Rede nicht, leben auch nicht darnach, sondern folgen ihres Herzens Gedünkens und den Baalim, wie sie ihre Väter gelehrt haben: darum spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, also: Siehe, ich will dies Volk mit Wermut speisen und mit Galle tränken;

Wobei der Passus jedoch erst mit Ierem.9,15. schließt: ich will sie unter die Heiden zerstreuen, welche weder sie noch ihre Väter gekannt haben, und will das Schwert hinter sie schicken, bis daß es aus mit ihnen sei.

Dementsprechend wäre die Todesstrafe eine nächste Stufe der Strafverschärfung gewesen.

Es erschloß sich desweiteren aus der Situation gravierender gesellschaftlicher Umbrüche, verbunden mit Unrecht und Verarmung, was in jener Zeit nur bedeuten konnte, dass Magier, Zauberer und Hexen deutlichen Zulauf hatten, eine Entwicklung auf die der betreffende Herrscher zwangsläufig Einfluss nehmen musste.

Gefunden wurde die Hexenbulle in den Monumenta Germaniae Historica und dort in den

Concilia Aevi Karolini zwischen den Beschlüssen des Konzils von Paris des Jahres 829. Dort hatte sie die Wissenschaft um 1900, nach ordentlicher Sichtung, versehen mit Anmerkungen und Querverweisen, hinein und wegverpackt.


Fazit: Es gab also ab der Zeit König Ludwigs des Frommen eine geordnete Verfolgung und Tötung von Zauberern und Hexen, die etwa dreihundert Jahre später durch die Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Gruppierungen von Ketzern eine Unterbrechung erfuhr, bevor sie in den Ländern Europas zu ganz verschiedenen Zeitpunkten und in jeweils eigener Ausprägung wieder aufgenommen wurden.

Was nicht weniger bedeutet, als dass sämtliche Darstellungen über die Anfänge der Hexen-verfolgungen umgeschrieben werden müssen.


De diversorum malorum patratoribus.

Sunt sane diversorum malorum patratores, quos et lex divina improbat et condempnat, pro quorum etiam diversis sceleribus et flagitiis populus fame et pestilentia flagellatur et ecclesiae status infirmatur et regnum periclitatur. Contra quos nos, eorum malitiam exagerantes, quamquam in sacris eloquiis satis sint execrati, nos necessarium praevidimus iterum nostra admonitione et exortatione praecaveri omnino oportere, sicut sunt diversarum pollutionum patratores, quas cum masculis et pecoribus nonnulli diversissimis modis admittunt, quae incomparabilem dulcedinem piissimi creatoris ad amaritudinem provocantes tanto gravius delincunt, quanto contra naturam peccant. Pro quo etiam scelere igne caelesti conflagrate infernique hiatu quinque absorptae sunt civitates necnon et quadraginta et eo amplius milia stirpis Beniamineae mucrone fraterno (fraternae) confossa sunt. Haec porro iudicia et evidentes vindicte declarant, quam detestabile et execrabile apud divinam maiestatem hoc vitium extet. Extant et alia pernitiosissima mala, quae ex ritu gentilium remanisse non dubium est, ut sunt magi, arioli, sortilegi, venefici, divini, incantores, somniatorum coniectores, quos divina lex inretractabiliter puniri iubet, de quibus in lege dicitur: Anima, quae declinaverit ad magos et ariolos et fornicata fuerit cum eis, ponam faciem meam contra eam et interficiam illam de medio populi sui. Sanctificamini et estote sancti, quia ego sanctus sum dominus Deus vester. Custodite praecepta mea facite ea, quia ego Dominus, qui sanctifico vos, et alibi: Magos et ariolos et maleficos terrae vivere ne patimini. Dubium etenim non est, sicut multis est notum, quod a quibusdam praestigiis atque diabolicis inlusionibus ita mentes quorundam inficiantur poculis amatoriis, cibis vel filacteriis, ut insaniam versi a plerisque iudicentur, dum proprias non sentiunt contumelias. Ferunt enim suis maleficiis aera posse conturbare et grandines inmittere, futura praedicere, fructus et lac auferre aliisqui dare et innumera a talibus fieri dicuntur. Qui ut fuerint huiusmodi conperti, viri seu femine, in tantum disciplina et vigore principis acrius corrigendi sunt, in quantum manifestius ausu nefando et temerario servire diabolo non metuunt. De his quoque in concilio Anciritano (Ancyritano) titulo XXIII. ita subscriptum est: Qui divinationes expetunt et more gentilium subsecuntur aut in domos suas huiuscemodi homines introducunt exquirendi aliquid arte malefica aut expiandi causa, sub regula quinquennii iaceant, secundum gradus paenitentiae definitos. Oportet enim in omnibus et maxime in his locis, ubi licite et inpune multi se posse hoc perpetrare confidunt, ut studiosius et diligentius admoneantur et severius corrigantur. Sunt et alia detestanda vitia, quae ita habentur quasi naturaliter in usu, ut ea perpetrantes, quanti sint discriminis, non advertant, sicut sint ea, que apostolus aperte enumerat, id est ebrietates, commessiationes, contentiones, ire, rixe, dissensiones, detractiones, invidiae, inimicitiae, qui homines iuxta eundem apostolum a regno Dei excludunt, ita inquiens: Qui enim talia agunt regnum Dei non consecuntur. In tantum enim ea impudenter et fidenter quidam committunt, ut merito de illis dici possit: Laetantur, cum malefecerint, et exultant in rebus pessimis. Unde oportet, ut omnes Christiani haec et subtiliter intelligant et studiosissime caveant, ne forte ea perpetrantes et alia bona perdant per ea, quae agunt, et propter haec a regno Dei se alienos faciant. Similiter etiam de otioso sermone, pro quo iuxta Domini vocem omnes reddituri sumus in die iudicii rationem, de scurilitate et stultiloquio et maledictionibus, quoniam iuxta apostolum maledicentes regnum Dei non possidebunt, de mendatio, de periculoso noxio assiduoque iuramento et obscenis turpibusque canticis omnibus Christianis intellegendum et observandum est, ut summopere ab his se caveant, ne his studentes per neglegentiam detrimentum patiantur animarum. Haec igitur, quae breviter praemissa sunt, primum adiuvante divina gratia a nobismetipsis abdicando formam et exemplum aliis praebere volumus et fidelibus vestris humiliter innotescere et fideliter denuntiare necessario iudicavimus. Sed et parroechias nostras omnes admonendo instruere cupimus, ne, quod absit, per suam ignorantiam et nostram neglegentiam huiuscemodi mortiferis subiaceant periculis.

Congessimus etiam in opere conventus nostri nonnulla alia capitula advestram fideliumque vestrorum obsevationem et salutem pertinentia, quorum hic omissa prolixitate mentionem tantum facimus, scilicet quod nosse eos oporteat coniugium a Deo esse constitutum et quod not sit causa luxoriae, sed causa potius filiorum appetendum, et ut virginitas, sicut doctores nostri tradunt, usque ad nuptias sit custodienda, et uxores habentes neque pelicem neque concubinam habere debeant, quomodo etiam in castitate uxores suas diligere eisque utpote vasi infirmiori honorem debitum debeant inpendere, et quod commixtio carnalis cum uxoribus gratia fieri debeat prolis, non voluptatis, et qualiter a coitu pregnatium uxorem viris abstinendum sit, et quod nisi causa fornicationis, ut Dominus ait, non sit uxor dimittenda, sed potius sustinenda, et quod hi, qui causa fornicationis dimissis uxoribus suis alias ducunt, Domini sententia adulteri esse notentur, sive etiam qualiter incesta a Christianis cavenda sint, et quod loca Deo dicata frequentius devotiusque a fidelibus ad Deum exorandum sibique propitium faciendum sint adeunda, et quod in basilicis Deo dicatis non sit fabulis otiosis turpibusque et obscenis sermotinationibus vacandum et negotia saecularia publicaque placita habenda et quod qui haec in ecclesiis Dei faciunt maiora sibi peccata adcumulent, de iusto iudicio iudicando et munerum acceptione cavenda, de falso testimonio vitando et de detractione cavenda necnon et de ceteris, quae dinumerare longum est. Sunt etiam et alia plura flagitia pernecessario corrigenda, que nos ideo hic inserere non necessarium duximus, quoniam satis evidenter in vestris capitulis conpraehensa esse scimus, que vos vestra auctoritate et fidelium consultu per strenuos missos vestros corrigenda esse censuistis.

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Vorabveröffentlichung aus einer in Arbeit befindlichen Reihe von Essays über Hexen, Magier und Übernatürliches. Mai 2016


Jörg Schön

 

 

 



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